TFP (Time for Pictures) Shooting

Kurze Antwort

TFP (Time for Pictures) ist ein Shooting-Format, bei dem Fotograf und Model keine Gage zahlen, sondern Bilder tauschen. Beide Seiten investieren Zeit und Können, erhalten dafür ausgewählte, bearbeitete Aufnahmen für ihr Portfolio. Das Modell spart Kosten, der Fotograf gewinnt kreative Freiheit – und beide bauen ihr Netzwerk aus.

TFP-Shooting auf einen Blick
Abkürzung TFP = Time for Pictures (auch TFCD: Time for CD/Digital)
Vergütung Keine Gage – beide Seiten erhalten fertig bearbeitete Bilder
Typische Beteiligte Fotograf, Model, optional MUA (Make-up Artist) und Stylist
Vertragsbasis Schriftliche TFP-Vereinbarung + Model-Release empfohlen
Bildaufteilung Anzahl und Format vorab festlegen (z. B. 10 retouchierte JPEGs)
Nutzungsrechte Klare Regelung notwendig: Wer darf wo und wie veröffentlichen?
Rechtliches Urheberrecht beim Fotografen; Persönlichkeitsrecht beim Model

TFP-Shootings sind in der Porträt-, Mode- und Konzeptfotografie weit verbreitet. Sie eignen sich ideal für den Portfolioaufbau, das Ausprobieren neuer Konzepte und das Knüpfen von Branchenkontakten. Wer klar kommuniziert, professionell plant und die Erwartungen schriftlich festhält, schafft die Basis für ein produktives Shooting ohne böse Überraschungen.

Was TFP bedeutet und woher es kommt

Der Begriff entstand in der analogen Ära, als Fotografen Models Zeit gegen Abzüge (Prints) tauschten. Heute überwiegt der digitale Workflow – TFCD (Time for CD) oder einfach TFP für digitale Dateien. Das Prinzip ist dasselbe: kein Geld fliesst, aber beide Parteien gewinnen verwertbares Material.

TFP funktioniert am besten, wenn beide Seiten auf einem ähnlichen Erfahrungslevel sind oder gezielt voneinander lernen wollen. Ein erfahrener Fotograf, der ein neues Licht-Setup testet, und ein aufstrebendes Model, das sein Portfolio erweitert – das ist die klassische Win-win-Situation.

Planung: Was vor dem Shooting zu klären ist

Konzept und Moodboard

Ein klares Konzept schützt vor Missverständnissen. Halte in einem kurzen Briefing fest: Stil, Stimmung, Farbpalette, Location und Outfit-Ideen. Ein Moodboard (Pinterest, Milanote) gibt allen Beteiligten eine gemeinsame Bildsprache. Je konkreter die Vorbereitung, desto effizienter das Shooting.

Location und Licht

Natürliches Licht im Freien erfordert keine Stromquelle, aber Wetter und Tageszeit spielen mit. Im Studio hast du volle Kontrolle. Für TFP-Setups reicht oft ein Reflektor und eine Softbox – professionelle Ergebnisse ohne grosses Budget sind möglich.

Schriftliche TFP-Vereinbarung

Auch ohne Gage ist ein kurzer Vertrag sinnvoll. Er regelt:

  • Anzahl und Format der gelieferten Bilder
  • Bearbeitungsstandard (retouchiert oder roh)
  • Nutzungsrechte: Portfolio, Social Media, Werbung
  • Deadline für die Bildlieferung
  • Verhalten bei Cancellation oder No-Show

Rollenverteilung im Team

Rolle Aufgabe Bringt mit
Fotograf Technik, Regie, Bildauswahl, Retusche Kamera, Licht, Software
Model Posing, Ausdruck, Emotionalität Outfits, MUA-Kenntnisse oder eigenen MUA
MUA Make-up, Haarstyling Eigenes Material; erhält ebenfalls Bilder
Stylist Outfit-Koordination, Accessoires Kleidung oder Leihgaben; erhält ebenfalls Bilder

Rechtliche Aspekte

Model-Release

Das Model-Release ist die schriftliche Zustimmung des Models zur Nutzung seiner Aufnahmen. Ohne dieses Dokument darfst du die Bilder nicht veröffentlichen – selbst wenn du Fotograf und Urheber bist. Lege den Nutzungsrahmen genau fest: Portfolio ja, kommerzielle Werbung nein – oder umgekehrt.

Urheberrecht und Bildrechte

In der Schweiz liegt das Urheberrecht automatisch beim Fotografen als Schöpfer des Bildes. Das Persönlichkeitsrecht schützt das Model davor, ohne Zustimmung abgebildet zu werden. Beide Rechte existieren parallel – nur im Zusammenspiel entsteht eine sichere Grundlage für die Veröffentlichung.

Briefing+ VertragLocation+ LichtShootingPosing/RegieSelektion+ RetuscheLieferungBilder + Release
Typischer TFP-Workflow in fünf Phasen: von der ersten Absprache bis zur Bildübergabe an alle Beteiligten.

Tipps für ein erfolgreiches TFP-Shooting

  • Kommuniziere früh und klar: Kläre Konzept, Ablauf und Erwartungen vor dem Shooting – nicht erst am Set.
  • Sei pünktlich und vorbereitet: Zeit ist die Währung bei TFP; Unpünktlichkeit schadet dem Vertrauen.
  • Liefere in der vereinbarten Frist: Zwei Wochen sind ein üblicher Standard; hält man ihn ein, entsteht ein professioneller Ruf.
  • Gib konstruktives Feedback: Ein kurzes Debriefing nach dem Shooting stärkt die Zusammenarbeit und Qualität.
  • Netzwerke authentisch: TFP öffnet Türen zu Stylisten, MUAs und anderen Kreativen – pflege diese Kontakte.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen TFP und einem bezahlten Shooting?

Bei einem bezahlten Shooting erhält das Model eine Gage, der Fotograf alle Nutzungsrechte. Bei TFP tauschen beide Seiten Leistung gegen Bilder aus. Es fliesst kein Geld, aber beide müssen liefern – Zeit, Können und Material.

Muss ich beim TFP einen Vertrag abschliessen?

Gesetzlich ist keiner vorgeschrieben, aber er schützt beide Seiten. Kläre schriftlich: Bildmenge, Nutzungsrechte, Lieferfrist und Auflösungsregeln. Das verhindert Missverständnisse und schafft Vertrauen.

Wie viele Bilder sind bei TFP üblich?

Typisch sind 5–15 fertig retouchierte Aufnahmen. Die genaue Zahl hängt von Shootingdauer und Konzept ab. Wichtig ist, das vorab zu vereinbaren, nicht nach dem Shooting zu diskutieren.

Darf ich TFP-Bilder kommerziell nutzen?

Nur wenn das Model-Release das ausdrücklich erlaubt. Portfolio und Social Media sind meistens eingeschlossen; Werbung oder Lizenzverkäufe brauchen eine separate Vereinbarung und in der Regel eine Gage.

Wer trägt die Fahrtkosten bei TFP?

Jeder trägt seine eigenen Kosten – das ist bei TFP der Standard. Wenn du eine Location buchst oder ein Studio mietest, kann man das anteilig aufteilen. Kläre es vor dem Shooting schriftlich.

Fazit

TFP ist eine effektive Methode, um Portfolio-Material zu sammeln, kreative Ideen umzusetzen und professionelle Kontakte zu knüpfen – ohne Budget. Der Schlüssel ist Professionalität: ein klares Konzept, ein schriftlicher Vertrag und zuverlässige Lieferung. Wer TFP ernst nimmt, legt damit den Grundstein für bezahlte Aufträge.

Quellen

  1. Schweizerisches Urheberrechtsgesetz (URG) – Grundlage für Bildrechte und Persönlichkeitsschutz in der Fotografie.
  2. Roger Hicks & Frances Schultz: Aufnahmetechnik für Fotografen – Praxistipps zu Licht und Model-Kommunikation.
  3. Verband Schweizer Fotografinnen und Fotografen (F/EGS) – Musterverträge und Nutzungsrechte-Leitfaden.

Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.

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