Das EF-Bajonett (Electronic Focus Mount) ist Canons seit 1987 eingesetztes Objektivsystem für DSLR-Kameras mit vollständig elektronischer Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv. Mit 54 mm Innendurchmesser und 44 mm Flanschbrennweite gehörte es zu den grosszügigsten Bajonetten seiner Zeit – was lichtstarke Optiken wie f/1.0 überhaupt erst ermöglichte. Obwohl Canon seit 2018 das RF-Bajonett für spiegellose Kameras eingeführt hat, ist das EF-System mit über 80 Objektiven noch immer weit verbreitet.
| Vollform | Electronic Focus Mount (vollständig elektronisch, kein manueller Kupplungsstift) |
|---|---|
| Einführung | 1987 mit Canon EOS 650 – vollständig inkompatibel mit FD-Vorgänger |
| Innendurchmesser | 54 mm |
| Flanschbrennweite | 44 mm |
| Kontaktpins | 8 Pins (Autofokus, Blende, IS, EXIF-Daten) |
| Kompatibel mit | EOS DSLR (Vollformat und APS-C); RF-Kameras mit EF-RF-Adapter |
| Nachfolger | Canon RF-Bajonett (2018) für EOS R spiegellose Kameras |
Was 1987 revolutionär war: Canon brach mit dem manuellen Kupplungsstift-System aller Vorgänger (FD-Bajonett) und setzte auf rein elektronische Kommunikation. Blende, Autofokus und Bildstabilisierung werden über 8 Pins gesteuert. Das erlaubte den Einbau des Autofokus-Motors direkt ins Objektiv – eine Qualitätsstufe schneller und leiser als mechanisch angetriebene Systeme. Canon hat damit die Messlatte für DSLR-Autofokus für zwei Jahrzehnte gesetzt.
EF, EF-S, EF-M – die Unterfamilien
EF-Objektive (Vollformat)
EF-Objektive projizieren einen Bildkreis, der das Vollformat (36 × 24 mm) vollständig abdeckt. Sie funktionieren an allen EOS-Kameras – sowohl Vollformat als auch APS-C. Das macht sie zur vielseitigsten und investitionssichersten Wahl im Canon-System. Die Palette reicht von Fischaugenobjektiven (8 mm) bis zum 1200-mm-Supertele.
EF-S-Objektive (APS-C)
EF-S-Objektive projizieren einen kleineren Bildkreis, der nur den APS-C-Sensor (22,3 × 14,9 mm) abdeckt. Sie sind leichter und günstiger als Vollformat-Äquivalente. Wichtig: EF-S-Objektive passen physisch nicht an EOS-Vollformat-Kameras (der Tubus ragt zu weit in den Spiegelkasten). EF-Objektive passen dagegen an alle EOS-Kameras.
EF-M (spiegellose EOS-M-Kameras)
Für Canons APS-C-spiegellose EOS-M-Kameras gibt es das kleinere EF-M-Bajonett. Diese Objektive sind nicht direkt mit dem EF-Bajonett kompatibel. Mit dem EF-EOS-M-Adapter lassen sich aber alle EF- und EF-S-Objektive an EOS-M-Kameras betreiben.
EF-Bajonett an spiegellosen Kameras
Canon bietet den EF-EOS-R-Adapter, der alle EF- und EF-S-Objektive an EOS-R-Kameras (RF-Bajonett) ermöglicht. Der Adapter überträgt alle elektronischen Funktionen – Autofokus, IS und Blende. Für professionelle Nutzer, die in EF-Objektive investiert haben, ist dies ein echter Mehrwert: Die Investition bleibt nutzbar, während man auf das neue System migriert.
Drittanbieter und Kompatibilität
Sigma, Tamron und Tokina bieten EF-Objektive an, die über die 8-Pin-Elektronik voll funktionieren. Für spiegellose Kameras anderer Hersteller (Sony, Nikon Z, Fujifilm) gibt es ebenfalls EF-Adapter – allerdings können dort Autofokusgeschwindigkeit und Blende-Reaktion eingeschränkt sein.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen EF und EF-S?
EF-Objektive projizieren einen Bildkreis für Vollformatsensoren und passen an alle EOS-Kameras. EF-S-Objektive decken nur den kleineren APS-C-Sensor ab und passen physisch nicht an Vollformat-Kameras. Beide nutzen dasselbe Bajonett-System mit identischen Kontaktpins.
Kann ich EF-Objektive an Canons neuen RF-Kameras nutzen?
Ja, mit dem Canon EF-EOS-R-Adapter. Er überträgt alle elektronischen Funktionen vollständig. Autofokus, Bildstabilisierung und Blendensteuerung arbeiten normal. Die optischen Eigenschaften der EF-Objektive bleiben unverändert.
Warum ist die Flanschbrennweite von 44 mm wichtig?
Die Flanschbrennweite bestimmt den Abstand zwischen Bajonett-Kontaktfläche und Sensor. 44 mm ist für spiegellose Kameras zu gross – das RF-Bajonett hat nur 20 mm Flanschbrennweite, was kürzere Objektiv-Bauweisen und besondere optische Designs ermöglicht. An DSLR-Kameras mit Spiegel ist 44 mm nötig, um dem Spiegelkasten Platz zu lassen.
Wie erkenne ich, ob ein Objektiv EF oder EF-S ist?
EF-Objektive haben einen roten Punkt als Montagemarke. EF-S-Objektive haben zusätzlich ein weisses Quadrat. EF-S-Objektive haben ausserdem einen zusätzlichen Tubus-Absatz, der sie an Vollformat-Kameras physisch blockiert.
Sind EF-Objektive noch eine gute Investition 2026?
Für Nutzer bestehender EOS-DSLR-Kameras ja. Der Gebrauchtmarkt bietet exzellente EF-Objektive zu günstigen Preisen. Wer plant, auf EOS-R zu migrieren, sollte beachten: RF-Objektive bieten optisch bessere Leistung und sind für das spiegellose System optimiert. EF bleibt aber dank Adapter nutzbar.
Was passiert mit meinen EF-Objektiven, wenn Canon EF einstellt?
Canon hat offiziell bestätigt, dass EF-Objektive weiterhin produziert werden. Der EF-EOS-R-Adapter bleibt im Sortiment. Bestehende EF-Gläser behalten ihren Wert und ihre Funktion – die Übergangszeit zwischen DSLR und spiegellosem System ist lang genug, dass EF noch viele Jahre nutzbar bleibt.
Fazit
Das EF-Bajonett hat fast vier Jahrzehnte Kamerageschichte geprägt und ein riesiges Ökosystem aus Canon- und Drittanbieter-Objektiven geschaffen. Für DSLR-Nutzer ist es das ausgereifte, verlässliche System mit maximaler Objektivauswahl. Wer auf spiegellos wechselt, profitiert vom EF-EOS-R-Adapter und behält seine EF-Investitionen – bis RF-Äquivalente die alten Glässer ersetzen.
Quellen
- Canon Inc.: EF Lens Work III – The Eyes of EOS – Entstehung und Technik des EF-Bajonetts.
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Bajonettdesign und elektronische Objektivkommunikation.
- CIPA: Camera and Imaging Products Association Standards – Kompatibilitätsrichtlinien für Wechselobjektivsysteme.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
