Die Eintrittspupille ist das virtuelle Bild der Blendenöffnung, wie es die vorderen Linsen des Objektivs abbilden – sie bestimmt, wie viel Licht ins System gelangt. Ihr Durchmesser ergibt sich aus Brennweite dividiert durch f-Zahl. Sie ist kein physisches Bauteil, sondern ein optischer Begriff, der Belichtung, Perspektive und Parallaxe gleichzeitig beschreibt.
| Definition | Virtuelles Bild der Blende aus Objektiv-Eintrittsseite |
|---|---|
| Formel | Eintrittspupille (mm) = Brennweite / f-Zahl |
| Beispiel | 50 mm bei f/2.0 → Eintrittspupille 25 mm |
| Grösser bei | offener Blende (kleine f-Zahl) oder langer Brennweite |
| Wichtig für | Belichtung, Parallaxe, Nodalpunkt bei Panoramaaufnahmen |
| Verwandt mit | Lichtstärke, Schärfentiefe, Austrittspupille |
Wer ein Objektiv gegen das Licht hält und von vorne hineinschaut, sieht einen leuchtenden Kreis – das ist die Eintrittspupille. Je grösser dieser Kreis wirkt, desto mehr Licht schluckt das System. In der Praxis begegnet dir der Begriff vor allem in zwei Zusammenhängen: beim Ablesen der effektiven Lichtstärke und beim Einrichten von Panoramadrehtischen, wo der Nodalpunkt (der optische Drehpunkt) mit der Eintrittspupille übereinstimmt.
Berechnung und Bedeutung
Formel
Die Eintrittspupille berechnet sich einfach: EP = f / N, wobei f die Brennweite in Millimetern und N die f-Zahl ist. Ein 100-mm-Objektiv bei f/4 hat eine Eintrittspupille von 25 mm. Verdoppelst du die Brennweite bei gleicher f-Zahl, verdoppelt sich die Eintrittspupille – und die Lichtmenge steigt auf das Vierfache. Das erklärt, warum Teleobjektive mit gleicher f-Zahl physisch viel grösser sind als Weitwinkel.
Eintrittspupille und Lichtstärke
Die Lichtstärke eines Objektivs beschreibt die grösste erreichbare Eintrittspupille. Ein f/1.4-Objektiv mit 50 mm hat eine maximale Eintrittspupille von rund 36 mm – deutlich mehr als ein f/2.8-Zoom bei gleicher Brennweite (ca. 18 mm). Für die Schärfentiefe ist allerdings die tatsächlich eingestellte Blende massgebend, nicht der maximale Wert.
Nodalpunkt und Panoramafotografie
Beim Panoramieren mit einem Stativkopf musst du über den Nodalpunkt des Objektivs drehen, damit keine Parallaxefehler entstehen – also keine Versätze zwischen nahen und fernen Elementen beim Zusammensetzen der Einzelbilder. Bei einfachen Objektiven liegt dieser Nodalpunkt nahe an der Eintrittspupille. Markierungen auf spezialisierten Panoramaköpfen beziehen sich auf diesen Wert.
Eintrittspupille in der Praxis
- Belichtungsplanung: Grössere Eintrittspupille = mehr Licht = kürzere Zeit oder niedrigere ISO möglich.
- Bokeh-Grösse: Unscharfe Lichtpunkte im Hintergrund haben dieselbe Form wie die Eintrittspupille – bei runden Lamellen entstehen runde Boken, bei eckigen Blenden eckige.
- Telekonverter: Ein 1,4×-Konverter verlängert die Brennweite auf das 1,4-Fache, behält aber die physische Eintrittspupille. Damit steigt die effektive f-Zahl um eine Stufe.
- Videokameras: Bei Kamerasystemen mit kleinen Sensoren sind die Eintrittspupillen auch bei offener Blende klein – eine Ursache für den «Video-Look» mit grosser Schärfentiefe.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Eintrittspupille und Blende?
Wie messe ich die Eintrittspupille praktisch?
Du fotografierst das Objektiv von vorne und misst den leuchtenden Kreis auf dem Bild aus, dann skalierst du auf reale Millimeter. Genauer: Halte einen Massstab vor die Frontlinse und fotografiere, bis du den leuchtenden Kreis und den Massstab gleichzeitig siehst.
Warum ist die Eintrittspupille für die Panoramafotografie wichtig?
Beim Schwenken über den Nodalpunkt (nahe der Eintrittspupille) bleiben nahe und ferne Elemente deckungsgleich. Drehst du an einem anderen Punkt, verschieben sich nahe Objekte relativ zu fernen – das erzeugt Geisterkonturen an den Bilnähten.
Beeinflusst die Eintrittspupille das Bokeh?
Ja. Unscharfe Glanzlichter (Bokeh-Bälle) haben die Form der Eintrittspupille. Grosse runde Eintrittspupillen erzeugen grosse, runde, cremige Boken. Eine mechanisch achteckige Blende ergibt achteckige Unschärfebälle, besonders bei starker Abblendung.
Gilt die Formel EP = f/N auch für Zoom-Objektive?
Grundsätzlich ja, aber bei Zoom-Objektiven ändert sich die Brennweite, ohne dass sich die physische Blende proportional mitändert. Die Eintrittspupille variiert also entlang des Zoombereichs, auch wenn die Blende konstant gehalten wird.
Fazit
Die Eintrittspupille ist mehr als ein trockener Formelwert – sie beschreibt, wie das Objektiv Licht «sieht». Wer sie versteht, weiss, warum grosse Frontlinsen lichtstärkere Bilder liefern, warum Panoramaköpfe einen bestimmten Drehpunkt brauchen und warum Bokeh-Formen kein Zufall sind. Mit der Formel f / N rechnet sich die Eintrittspupille in Sekunden aus.
Quellen
- Sidney F. Ray: Applied Photographic Optics, 3. Aufl. – Pupillen und Nodalpunkte in der fotografischen Optik.
- ISO 10110 – Optische Elemente und Systeme; Zeichnungsangaben für optische Baugruppen.
- H. Haferkorn: Optik, 4. Aufl. Wiley-VCH – Strahlengang und Pupillensysteme.
Redaktioneller Glossar-Beitrag von sinar.ch · zuletzt geprüft 2026.
